Warum dieser Überblick
Wer als Unternehmen in Bayern ein KI-Projekt plant, steht vor einem unübersichtlichen Förderdschungel: Landesprogramme, Bundesmittel, ESF+-Töpfe, Transformationsprogramme und Compliance-Hilfen existieren parallel, mit unterschiedlichen Zielgruppen, Fristen und Voraussetzungen.
Wir haben die wichtigsten Programme für 2026 zusammengetragen, jeweils mit offiziellen Quellen und konkreten Eckdaten. Kein Kleingedrucktes, keine Beratungsverkaufs-Pitch. Einfach eine saubere Übersicht, die wir selbst gerne gehabt hätten, als wir mit embedflow in Ingolstadt gestartet sind.
Die Förderlogik: Vier Stufen eines KI-Vorhabens
Bevor wir in die einzelnen Programme einsteigen, hilft es, die Förderlandschaft entlang des Lebenszyklus eines KI-Projekts zu verstehen:
| Phase | Was gefördert wird | Passendes Programm |
|---|---|---|
| Orientierung und Strategie | KI-Kompetenz aufbauen, Use Cases identifizieren | KI-Transfer Plus, KI Innovation Lab |
| Forschung und Entwicklung | Neue KI-Methoden entwickeln, Prototypen bauen | BayVFP "KI - Data Science", BMBF KI-KMU |
| Investition und Umsetzung | KI-Software einführen, Infrastruktur aufbauen | Digitalbonus.Bayern |
| Regulierung und Compliance | EU AI Act umsetzen, Dokumentation aufbauen | Bayerischer Innovationsbeschleuniger |
Die Programme lassen sich kombinieren. Ein Unternehmen kann mit KI-Transfer Plus starten, um den richtigen Use Case zu finden, dann über BayVFP die Entwicklung fördern lassen und parallel den Innovationsbeschleuniger für AI-Act-Compliance nutzen.
Digitalbonus.Bayern
Der Digitalbonus ist das bekannteste bayerische Förderprogramm für Digitalisierung. Die neu aufgelegte Programmphase läuft bis 31.12.2027. Für 2026 besonders relevant: Die Förderinhalte wurden angepasst. Robotik und KI werden verstärkt gefördert, während andere Bereiche reduziert wurden.
Wer: Kleine Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Sitz in Bayern.
Was: Investitionen in digitale Technologien. Für KI-Projekte heißt das: KI-gestützte Softwarelösungen, Automatisierungsinfrastruktur und entsprechende Hardware können förderfähig sein, sofern sie die Richtlinien erfüllen.
Wie: Antragstellung seit Mai 2025 ausschließlich mit ELSTER-Unternehmenskonto. Der Antrag muss vom Unternehmen selbst gestellt werden.
Wichtig: Der Digitalbonus fördert Investitionen, keine Forschung. Wer ein bestehendes KI-Tool einführen oder eine individuelle KI-Lösung entwickeln lassen will, ist hier richtig. Wer eine neue KI-Methode erforschen will, braucht BayVFP oder BMBF.
Offizielle Programmseite: digitalbonus.bayern
BayVFP "Künstliche Intelligenz - Data Science"
Das Bayerische Verbundforschungsprogramm (BayVFP) fördert unter der Bekanntmachung "Künstliche Intelligenz - Data Science" anwendungsoffene Innovationsprojekte im Bereich Datenanalyse und KI. Es ist das Programm mit dem höchsten Innovationsanspruch in dieser Liste.
Wer: Verbünde aus mindestens zwei Partnern, darunter mindestens ein Unternehmen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen können beteiligt sein. KMU werden ausdrücklich ermutigt.
Was: Vorwettbewerbliche, industriegetriebene Verbundvorhaben, die Datenanalyse, Data Science und KI zur Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Geschäftsmodellen einsetzen. Die Arbeiten müssen innerhalb Bayerns durchgeführt werden.
Frist 2026: Projektskizzen können bis Donnerstag, 16. April 2026, 14:00 Uhr eingereicht werden.
Projektlaufzeit: Bis maximal Ende 2029.
Einreichung: Elektronisch über das Portal des Projektträgers VDI/VDE-IT. IUK-Bayern bietet Informationswebinare für Förderinteressierte.
Wer ein KI-Projekt mit echtem Forschungsanteil plant und einen Partner aus der Wissenschaft einbinden kann, findet hier die passende Förderung. Die Anforderungen an den Neuheitsgrad sind allerdings deutlich höher als beim Digitalbonus.
KI-Transfer Plus
KI-Transfer Plus ist kein klassischer Zuschuss, sondern ein begleitetes Transformationsprogramm. Das Bayerische Staatsministerium für Digitales (StMD) finanziert es, Bayern Innovativ koordiniert, und acht KI-Regionalzentren an bayerischen Hochschulen setzen es um.
Wer: Mittelständische Unternehmen aus ganz Bayern mit hoher Motivation zur KI-Einführung.
Was: Innerhalb von rund neun Monaten begleitet das Programm Unternehmen von der ersten KI-Idee bis zu einem einsatzfähigen Use Case. Dazu gehören: Aufbau von technischem und strategischem KI-Wissen, Entwicklung einer unternehmensspezifischen KI-Strategie und Umsetzung eines konkreten Pilotprojekts.
Aktuell: Im Februar 2026 hat das StMD den Startschuss für die fünfte Programmrunde gegeben. Bewerbungsfrist für den Programmstart im Mai 2026: 15. April 2026.
Wichtig: Das Programm ist kostenpflichtig und erfordert personelle Ressourcen im Unternehmen. Es ist kein Geldtopf, aus dem man Entwicklungskosten erstattet bekommt. Stattdessen bekommt man strukturierte Begleitung, die ein KI-Vorhaben professionalisiert und auf den richtigen Kurs bringt.
Für Unternehmen, die wissen, dass sie etwas mit KI machen wollen, aber noch nicht genau was, ist KI-Transfer Plus ein guter erster Schritt.
Programmseite: Bayern Innovativ - KI-Transfer Plus
Bayerischer Innovationsbeschleuniger (AI Act Accelerator)
Seit dem EU AI Act fragen sich viele Unternehmen: Betrifft uns das? Und wenn ja, was müssen wir tun? Der Bayerische Innovationsbeschleuniger adressiert genau diese Fragen.
Wer: KMU, Start-ups und öffentliche Einrichtungen in Bayern.
Was: Keine direkte Investitionsförderung, sondern kostenlose Unterstützungsleistungen bei der Umsetzung des AI Acts. Trainings, Workshops, Tools zur Risikoklassifizierung und Dokumentation. Umgesetzt vom appliedAI Institute unter wissenschaftlicher Federführung der LMU München, TU München und TU Nürnberg.
Fördervolumen: 1,6 Millionen Euro vom StMD.
Laufzeit: Dezember 2024 bis Dezember 2026. Für die Compliance-Planung 2026 besonders relevant, da der AI Act schrittweise in Kraft tritt.
Wer KI produktiv einsetzt oder einsetzen will, sollte sich mit den Anforderungen des AI Acts auseinandersetzen. Der Innovationsbeschleuniger senkt die Einstiegshürde dafür erheblich, ohne dass man gleich eine Rechtsberatung beauftragen muss.
Offizielle Pressemitteilung: StMD Bayern
ESF+ "KI - Innovation Lab Bayern"
Das KI Innovation Lab wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) mit ESF+-Mitteln gefördert. Während KI-Transfer Plus auf die technische Umsetzung fokussiert, liegt der Schwerpunkt hier stärker auf Qualifizierung und nachhaltiger Verankerung von KI im Unternehmen.
Wer: KMU in Bayern, insbesondere Unternehmensleitungen und Entscheider.
Was: Sieben Phasen von Situationsanalyse über Strategie und Kompetenzaufbau bis hin zu Use-Case-Entwicklung, Umsetzung, Monitoring und Evaluation. Zugang zu einer Digital- und KI-Experteninfrastruktur, praxisnahe Weiterbildungen und individuelle Umsetzungsbegleitung.
Laufzeit: März 2025 bis Februar 2027. Einstieg jederzeit möglich.
Kosten: Für teilnehmende KMU dank ESF+ und StMAS-Förderung kostenfrei.
Der Unterschied zu KI-Transfer Plus: Das Innovation Lab zielt stärker auf die organisatorische Seite. Es geht nicht nur darum, einen KI-Prototypen zu bauen, sondern das Unternehmen insgesamt auf den Einsatz von KI vorzubereiten.
Mehr Informationen: IHK Regensburg - KI Innovation Lab und HWK Unterfranken
BMBF-Förderung: KI-Methoden für KMU
Neben den bayerischen Landesprogrammen steht Unternehmen in Bayern auch die Bundesförderung des BMBF offen. Das Programm "Erforschung, Entwicklung und Nutzung von Methoden der Künstlichen Intelligenz in KMU" fördert projektbezogene Forschung und Entwicklung mit signifikanter KI-Komponente.
Wer: KMU (und unter bestimmten Bedingungen größere Unternehmen), Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Verbünden.
Was: Projekte mit signifikantem Neuheitsgrad in KI-Methoden. Themenfelder: automatisierte Informationsaufbereitung, digitale Assistenten, Computer Vision, Sprach- und Textverstehen, datengetriebene Systeme.
Förderquote: Bis zu 50% der zuwendungsfähigen Kosten für KMU. Start-ups im KI-Bereich können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 75% erhalten, gedeckelt auf 100.000 Euro pro Jahr.
Verfahren: Zweistufig. Erst Projektskizze (PT-Outline), dann förmlicher Antrag (easy-Online).
Das BMBF-Programm hat den höchsten Anspruch an den Neuheitsgrad. Es ist nicht für die Einführung bestehender KI-Tools gedacht, sondern für die Entwicklung neuer KI-Methoden. Wer einen echten Forschungsbeitrag leistet, findet hier aber auch die großzügigste Förderquote.
Einstieg über das BayernPortal: Leistungsbeschreibung BMBF KI-KMU
Weitere Programme und Anlaufstellen
BayVFP-Bekanntmachungen Cybersicherheit und Kommunikationsnetze
Parallel zur KI-Bekanntmachung laufen 2026 unter der BayVFP-Förderlinie "Digitalisierung" auch Aufrufe zu Cybersicherheit, Kommunikationsnetzen und elektronischen Systemen. KI-Komponenten können dort ebenfalls förderfähig sein, wenn sie mit Security-Lösungen oder Kommunikationsinfrastruktur verknüpft sind. Details über Bayern Innovativ.
ESF+ Weiterbildung
Der ESF+ unterstützt in Bayern neben dem KI Innovation Lab weitere Qualifizierungsprojekte rund um Digitalisierung und KI. Der Fördernavigator hilft, passende Angebote zu finden.
Regionale KI-Hubs
Die regionalen KI-Zentren wie der AI-Hub Nürnberg und AIR Regensburg bieten Übersichten zu aktuellen Fördermöglichkeiten und sind gute erste Anlaufstellen für Unternehmen, die sich orientieren wollen.
Zusammenfassung: Welches Programm passt?
| Situation | Programm | Typ |
|---|---|---|
| Wir wollen KI-Software einführen oder eine Lösung entwickeln lassen | Digitalbonus.Bayern | Investitionszuschuss |
| Wir haben eine Forschungsidee im KI-Bereich und Partner aus der Wissenschaft | BayVFP "KI - Data Science" | FuE-Verbundförderung |
| Wir wollen rausfinden, wo KI bei uns Sinn ergibt | KI-Transfer Plus | Begleitetes Transformationsprogramm |
| Wir brauchen Hilfe beim EU AI Act | Innovationsbeschleuniger | Kostenlose Unterstützung |
| Wir wollen unser Team für KI qualifizieren | KI Innovation Lab (ESF+) | Kostenfreies Qualifizierungsprogramm |
| Wir entwickeln neue KI-Methoden mit hohem Neuheitsgrad | BMBF KI-KMU | Projektbezogene FuE-Förderung (bis 75%) |
Hinweis
Dieser Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine Förderberatung. Die Programme haben unterschiedliche Richtlinien, Fristen und Voraussetzungen. Vor einer Antragstellung empfehlen wir, die offiziellen Programmseiten zu prüfen und bei Bedarf die zuständigen Projektträger zu kontaktieren.
Wir bei embedflow haben unseren Sitz in Ingolstadt und kennen die bayerische Förderlandschaft aus eigener Erfahrung. Wenn ihr ein KI-Projekt plant und technische Unterstützung braucht, meldet euch gerne. Die Förderfrage klären wir nicht, aber bei der technischen Machbarkeit und Umsetzung können wir helfen.